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4. Beginn der Shah-Könige (1769-1846)
Die Thronfolge der Shah-Könige
Die Wappen Nepals
Die Familie der späteren Herrscher von Gorkha stammt ursprünglich von einem Jajputen-Fürsten von Udaipur (im indischen Rajasthan - südwestlich von Delhi) ab. Der Nachfahre eines auf der Flucht vor den Muslims nach Norden abgewanderten Fürsten siedelte sich nördlich von Palpa (im Westen von Kathmandu) in Nepal an. Damit ist die Familie Shah eine jener Familien, die sich etwa ab dem 13./14. Jahrhundert in den sich herausbildenden lokalen Kleinstaaten des nepalischen Gebirgsraums etablierten. Diese noch heute in Zentral-Nepal bekannten Gebirgsdistrike waren damals kleine Königreiche, die sich mehr oder weniger friedlich gegenüber standen. Die Abhängigkeiten waren vielfältig. Ihre Legitimation erhielten diese lokalen Könige (Raja) durch die Klasse der hinduistischen Priesterschaft, der Brahmanen, im Nepali als „Bahun“ bezeichnet. So wie die Familie der Shahs waren auch viele andere dieser Bahun wegen des sich in Indien ausbreitenden Islam in den Himalaya-Raum abgewandert. Oft konstruierten diese lokalen Könige zur Erhöhung ihrer Legitimation als Herrscher Genealogien, welche eine Abstammung des jeweiligen Herrscherhauses von hohen Rajputen-Häusern Nordindiens belegten. So geschah es auch im Falle der königlichen Familie Shah, die sich als Nachkomme des berühmten Rajputengeschlechts von Chittor sieht. In Wirklichkeit hieß die Familie ursprünglich Khan, was später in Shahi und schließlich in Shah abgewandelt wurde.
Die Gorkha-Könige von Drabya Shah bis Prithvi Narayan Shah
The Kings of Gorkha from Drabya Shah to Prithvi Narayan Shah
1559 (bis 1570) wurde Drabya Shah König von Gorkha, westlich von Kathmandu. Mit seiner Thronbesteigung beginnt die eigentliche Familiendynastie des nepalischen Herrscherhauses von 1769 bis 2008. Dravya Shah und seinen Nachfolgern gelang es, benachbarte Staaten zu übernehmen und durch weise Reformen und Entwicklungsmaßnahmen das Herrschaftsgebiet der Gorkhas auszudehnen und zu festigen. Seinem neunten direkten Nachfolger, Prithvi Narayan Shah, dem Sohn des Königs von Gorkha Raja Nara Bhupal Shah, gelang schließlich der endgültige Aufstieg der Shah-Dynastie.
Die königliche Standarte
Prithvi Narayan Shah wurde 1743 König von Gorkha. 1766 trat er einen Eroberungsfeldzug an, der ihn bald zum Herrscher über das ganze Land machte. Nachdem er die Handelsrouten der Malla unter seine Kontrolle gebracht hatte, war ihm das Städtchen Kirtipur, etwa 8 km südwestlich von Kathmandu auf einem steil ansteigenden Zwillingshügel gelegen, zwischen dessen Spitzen sich ein kleines Plateau ausbreitet, ein besonders hartnäckiger Gegner auf der Weg zum Kathmandu-Tal. Die strategisch günstige Lage und einige wehrhafte Bauten machten es zu einer fast uneinnehmbaren Festung.
Eroberung Kirtipurs
Bereits 1755 und 1764 war die Gurkha-Armee unter Prithvi Narayan Shah erfolglos gegen diese Festung Kirtipur angerannt, und die Armee der Mallas verspottete gar Prithvis Gorkha-Streitkräfte, als sie diese einmal den festungsartigen Hügel hinunter trieben. Doch Kirtipur fiel 1767 schließlich doch. Prithvi Narayan konnte es einnehmen und befahl seinen Soldaten, zur Abschreckung sowie aus Rache für die vorangegangenen verlorenen Schlachten und dafür, dass sein Bruder bei der zweiten Belagerung ein Auge verloren hatte, bei den männlichen Bewohnern Kirtipurs Nase und Lippen abschneiden. Percival Landon, der Nepal im frühen 20. Jhd. bereiste, berichtet: „Dieser Befehl wurde gewissenhaft ausgeführt, und das Ganze erscheint nur noch brutaler, wenn man erfährt, dass diejenigen Männer verschont wurden, die Blasinstrumente spielen konnten. Aus den mitleidlosen Aufzeichnungen geht hervor, dass sich das Gewicht der Nasen und Lippen, die Prithvi Narayan zum Beweis der gewissenhaften Befehlsausführung gezeigt wurden, auf 36 kg belief.“ Kirtipurs Bewohner haben diesen Zwischenfall nie vergessen, und es war bis zum Ende der Shah-Dynastie dem nepalischen Königspaar nicht erlaubt, die Stadt zu betreten. 1768 war es Prithvi Narayan dann ein Leichtes, zunächst am 25. September 1768 Kathmandu, im folgenden November auch Patan und Bhaktapur zu unterwerfen. Diesen Zeitpunkt kann man als dem Beginn des heutigen Staates Nepal betrachten. Erstmals trat Nepal aus der Zeit mittelalterlicher Verhältnisse mit kleinstaatlicher Zerrissenheit heraus in die Neuzeit eines einheitsstaatlichen Denkens. Die Gorkhas übernahmen im Kathmandu-Tal die Kultur der dort ansässigen Newar, die sie als ihre eigene Kultur auf das gesamte von ihnen eroberte Land als Staatskultur übertrugen. Die Sprache der Newars jedoch, die zur tibeto-burmesischen Sprachfamilie gehört, wurde von den Gorkhas nicht übernommen. Sie übertrugen ihre eigene, der indo-arischen Sprachfamilie angehörige und dem Hindi nehestehende Sprache, Gurkhali oder Nepali, auch Pahari genannt, auf das ganze Land.
Silbermünze von König Prithvi Narayan Shah
aus dem Jahr des Antritts seiner Regierungs als 1. König von Nepal
Silbermünze von König Pratap Singh Shah
Mit der Übernahme des Kathmandu-Tals begann Prithvi Narayan einen Prozess der militärischen Eroberung und Unterwerfung weiterer zahlreicher Kleinstaaten und Völker Nepals, der von seinen Nachfolgern konsequent fortgesetzt wurde. Doch die Expansionsabsichten gingen über die Eroberung nepalischer Kleinstaaten weit hinaus. Richtung Osten dehnten die Gorkhas ihr Reich aus, indem sie zunächst Gebiete in Ostnepal überrannten und schließlich nach einem extrem heftigen Krieg 1789 auch Sikkim im Osten von Nepal eroberten. In westlicher Richtung fielen nach weiteren Kriegen bis 1794 Kumaon und Garhwal ebenfalls an die Gorkhas (beide Gebiete liegen (heute im indischen Staat Uttaranchal - bis 2000 Uttar Pradesh). Die kriegslüsternen Gorkha legten sich sogar mit den beiden mächtigsten asiatischen Staaten jener Zeit an, dem britischen Indien und dem Kaiserreich China.
Prithvi Narajan Pratap Singh Rana Bahadur Girbanyudha

Nach dem Tod Prithvi Narayans 1775 übernahm sein damals 23-jähriger Sohn Pratap Singh das Königreich. Gerne hätte Prithvi Narayan einen großen Krieger aus seinem Sohn gemacht, doch er konnte sich nicht um dessen Erziehung kümmern, war er doch in die Kämpfe mit den Malla-Königen verstrickt gewesen. So erhielt sein Sohn nicht vorrangig eine militärische Ausbildung, sondern eine Erziehung mit ausgeprägtem Sinn für die Künste, für Poesie und Musik. Pratap Singh lag daran, die Beziehungen zu seinen Nachbarn freundschaftlich zu gestalten. Bereits 1775, im Jahr seiner Krönung, schloss er einen Handelsvertrag mit Tibet und konnte zunächst auch den Münzkonflikt beruhigen. Sein Interesse galt weniger der kriegerischen Expansion Nepals sondern vielmehr dem Tantrismus, einer esoterische Form des Hinduismus. Er schrieb sogar ein Buch mit dem Titel „Purascharyanava“, organisierte eine Konferenz von Sanskrit-Gelehrten, bei der, so wird überliefert, Wissenschaftler aus über 12 Ländern teilgenommen hätten. Doch nicht jedem gefiel Pratap Singhs friedliebendes Temperament. So konnte eine Verschwörung gegen ihn durch seinen Onkels Dal Jit Shah gemeinsam mit seinem Bruders Bahadur Shah noch erkannt werden. Dal Jit wurde ins Gefängnis von Nuwakot geworfen, Bahadur Shah durfte auf Antrag des obersten Priesters Raj Guru Gajaraj Mishra nach Bettiah in der Nähe der indisch-nepalischen Grenze ins Exil gehen. Doch die Zeit von Pratap Singhs Regierung währte nur weniger als drei Jahre. Nach seinem Tod am 7. November 1777 wurde sein 2-jähriger Sohn Rana Bahadur (* 25. Mai 1775) am 17. November 1777 zum König gekrönt.
Silbermünze von König Rana Bahadur Shah
Silbermünze von König Girbanyudha Bir Bikram Shah
Die Regierungsgeschäfte übernahmen zunächst Rana Bahadurs Mutter Maharani Rajendra Lakshmi Devi († 13. Juli 1785) und sein Onkel Bahadur Shah († 1795), der nach dem Tod von Pratap Singh aus dem Exil in Bettiah zurückgekehrt war. Gemeinsam regierten also im Namen des Königs dessen Mutter und sein Onkel, der einst seinem Vater Pratap Singh nach dem Leben trachtete. Die Schwierigkeiten waren also voraussehbar und führten auch schon bald zu Streitigkeiten bis hin zu gegenseitigen Verhaftungen. Doch Rajendra Lakshmi konnte sich gegen Bahadur Shah durchsetzen, ihn erneut ins Exil nach Bettiah verbannen und alleine im Namen ihres Sohnes Rana Bahadur regieren. Die Schwächung des Königreiches durch die internen Probleme in der Hauptstadt wollten die Herrscher der „Chaubisi Rajya“, der 24 Fürstentümer in der Gegend des Kali Gandaki-Flusses, zu denen ursprünglich auch Gorkha, der Stammsitz der Shah-Königsfamilie gehörte, ausnutzen. Unter der Leitung des König von Palpa wagten sie 1781 einen Angriff auf Gorkha. Zur Abwehr schickte Rajendra Lakshmi Truppen unter der Leitung von General Amar Singh Thapa. Dieser schlug nicht nur etliche der vereinigten Truppen der „Chaubisi Rajya“, sondern überrannte 1782 zugleich noch Lamjung, Tanahun und Kaski, deren Herrscher sich angesichts der Schlagkraft der Gorkha-Truppen sofort ergaben. Beflügelt durch diesen Erfolg sandte Rajendra Lakshmi ihre Truppen erneut auf Eroberungszüge, und sie konnten 1784 weitere Gebiete wie Bhirkot, Rishing Satahun, Garahun, Dhor, Paiya and Charikot dem Königreich einverleiben. Bis zu ihrem Tod am 13. Juli 1785 hatte Rajendra Laxmi in den acht Jahren ihrer Regierung das Hoheitsgebiet von Nepal erheblich vergrößert.
Amar Singh Thapa Dalmodar Pande
Bahadur Shah († 1795) war der zweite Sohn von Prithvi Narayan Shah, Bruder von Pratap Singh. Nach dem Tod von Maharani Rajendra Lakshmi Devi kehrte er erneut aus seinem Exil zurück und übernahm die Regierungsgeschäfte für den inzwischen 10-jährigen König Rana Bahadur, seinen Neffen. Rajendra Laxmi hatte ja zuvor schon einige Staaten der „Chaubisi Rajya“, der 24 Fürstentümer in der Gegend des Kali Gandaki-Flusses, in das Königreich integrieren können. Gerne wollte Bahadur Shah auch die letzten freien Staaten der „Chaubisi Rajya“ in das Gorkha-Reich eingliedern. Doch wusste er um die Stärke des Königs von Palpa, Mahadatta Sen, und heiratete dessen Tochter, um, wie er hoffte, ihn nicht als Widersacher seiner Expansionspolitik zu haben. Tatsächlich konnte er Gulmi, Khanchi, Dhurkot, Kushma und Baglung (alles Gebiete in der Gegend des Kali Gandaki-Flusses, südlich von Mustang) erobern, noch nicht jedoch Palpa. Dankbar und stolz auf seine Erfolge ließ Bahadur Shah auf dem Durbar Square in Kathmandu einen Shiva-Parvati Tempel im Newari-Stil errichten.
Shiva-Parvati Mandir in Kathmandu
Shiva-Parvati Mandir in Kathmandu
Nach Westen drangen Bahadur Shahs Truppen unter der Leitung von Dalmodar Pande und Amar Singh Thapa bis Piuthan, Dang, Jajarkot, Musikot, Dailekh, Achham und Doti, stießen 1790 dann bis zum Fluss Mahakali an der Westgrenze Nepals vor und eroberten Almorah und Kumaon. Inzwischen waren die Nepal-Tibet Kriege ausgebrochen, und Bahadur Shah holte seine Truppen zurück in die Hauptstadt.

Im Osten überfielen die Gurkha-Truppen Ilam und konnten sogar Teile von Sikkim dem inzwischen mächtig gewachsenen Gorkha-Reich einverleiben. Nachdem Prithvi Narayan Shah das Kathmandu-Tal übernahm, erstreckt sich das Reich um 1792 durch die Eroberungen von Rajendra Laxmi und Bahadur Shah zwischen Tibet und Britisch Indien von Kaschmir und Dehradun im Westen bis Bhutan im Osten.

Die Expansionsversuche der Gorkhas in nördlicher Richtung kamen just zu einer Zeit als die Spannungen durch den noch immer ungelöste Münzkonflikt das früher gute Verhältnis zu Tibet trübten und führten zum ersten und zweiten Nepal-Tibet Krieg 1788-1792.
Als 1794 der 19-jährige König Rana Bahadur Shah, Sohn von König Pratap Singh Shah Shah, selbst die Regierung übernahm, überwarf er sich bald mit seinem Onkel Bahadur Shah. Dieser stellte sich des Königs Politik der Erhöhung von Steuern aus Pachtgrundstücken entgegen, worauf Rana Bahadur Shah ihn als Widersacher betrachtete, ihm Unehrlichkeiten im Krieg gegen Tibet/China und fehlende Loyalität zum König vorwarf und ihn verhaften ließ. Bahadur Shah, der sich stets als treuer Diener seine Königs und seines Landes wähnte, soll Selbstmord begangen haben als er 1795 starb.
Brief von König Rana Bahadur Shah (1777-1799) mit dessen privaten roten Siegel
König Rana Bahadur Shah heiratete Maharani Rajeswari Vidya Lakshmi (†1805), die Prinzessin von Gulmi, danach Maharani Subarna Prabha und Maharani Kanti Mati (†1799). Später nahm er Maharani Chandravati, die jüngere Schwester von Kanti Mati zur Frau und heiratete 1804 schließlich Maharani Lalit Tripura Sundari (†1832). Den Tod seiner Frau Maharani Kanti Mati im Jahre 1799 konnte Rana Bahadur Shah allerdings nicht verschmerzen. Er wurde immer seltsamer, so dass die politische Elite seine Abdankung forderte. Insbesondere war Bahadur Shahs General Dalmodar Pande dem König nicht wohl gesonnen. Obwohl Ranendra, der Sohn von Maharani Subarna Prabha, der Erstgeborene war, erklärte Rana Bahadur den Sohn von Maharani Kanti Mati, Girbanyudha, im Jahr 1799 als seinen Thronfolger, der zu diesem Zeitpunkt keine 2 Jahre alt war.
Bhimsen Thapa (1775-1839)
Rana Bahadur Shah selbst ging zu seiner Sicherheit nach Indien ins Exil nach Varanasi (Benares), wohin ihn sein persönlicher Sekretär Bhimsen Thapa begleitete. Später versicherte ihm Lord Wellesley, der Generalgouverneur der „East India Company“, seine Unterstützung, und König Rana Bahadur Shah kehrte 1804 zurück und übernahm wieder die Regierungsgeschäfte für seinen zweiten Sohn Girbanyudha. Doch Sicherheit war in jenen Tagen nicht gegeben. Schon bald führte General Dalmodar Pande einen Anschlag auf den König durch, der jedoch mit Hilfe von Bhimsen Thapa gerade noch vereitelt werden konnte. Dalmodar Pande wurde verhaftet und schließlich enthauptet. Nun endlich konnte Rana Bahadur Shah die Regierung übernehmen. Doch wurde er in seinen späteren Jahren immer gewalttätiger. Er verjagte seine erste Frau Maharani Rajeswari Vidya Lakshmi, 1804 konfiszierte er die „Birta“ (steuerfreie Ländereien) der Brahmanen. In Regierungskreisen wuchs allmählich Unmut gegen ihn. Seinen Bruder Sher Bahadur, der nicht wie Rana Bahadur Shah der Sohn von Maharani Rajendra Lakshmi Devi, sondern einer Newar-Geliebten des Vaters Pratap Singh war - also eigentlich seinen Halbbruder, wollte er gegen dessen Willen in den Krieg schicken und ließ ihn bei seiner Weigerung verhaften. 1805 wurde Rana Bahadur Shah von seinem Halbbruder Sher Bahadur ermordet. Dieser wiederum wurde schließlich 1806 von der Leibwache des Königs, Kazi Bal Narsingh, getötet.

Obwohl Rana Bahadur Shah seinen Sohn Girbanyudha Bikram Shah bereits 1799 zum König krönen ließ, begannen dessen Regierungsgeschäfte erst nach dem Tod seines Vaters 1805. Bhimsen Thapa, der ja schon König Rana Bahadur Shah als persönlicher Sekretär ins Exil nach Varanasi begleitete, leitete eine Untersuchung ein, die herausfinden sollte, wer die Ermordung des Königs zu verantworten hätte. Für schuldig befunden und zum Tode verurteilt wurden Prithipal Sen, Kazi Tribhuvan Khawas, Jagat Pande, Bidur Shahi und Kazi Bal Narsingh. In dieser unsicheren Situation nutzte Bhimsen Thapa seine Chance und ergriff die Kontrolle: bei einem Massaker am 25. April 1806, fanden 93 Mitglieder der königlichen Familie und des Adels den Tod. Dabei waren auch einige der Frauen Rana Bahadur Shahs, denn Bhimsen Thapa wollte sicher sein, dass die Regierung nun durch seine politische Mitstreiterin, der Junior-Königin Maharani Lalit Tripura Sundari (†1832), Rana Bahadurs fünfter Frau, übernommen würde. König Girbanyudha war zu diesem Zeitpunkt erst sieben Jahre alt. Bhimsen Thapa wurde als Premierminister die zentrale politische Figur für die nächsten 30 Jahre.
Maharaja Ranjit Singh
Durch die Nepal-Tibet Kriege wurden der geplanten Angriff auf das Königreich Garhwal zunächst verschoben, doch wurde der König von Garhwal, Pradyuman Shah, 1803 geschlagen, im Januar 1804 im Kampf getötet und sein ganzes Land übernommen. Weiter westlich überrannte General Amar Singh Thapa die Länder bis Kangra im heutigen Bundesstaat Himachal Pradesh, die stärkste Festung der Region. Doch während der Belagerung von Kangra griff Ranjit Singh, der Herrscher des Sikh-Staates Punjab ein und trieb 1809 die nepalesische Armee zurück bis zum Fluss Satluj, jenem Fluss, der in Tibet in der Nähe des heiligen Berges Kailash entspringt, und an dessen schluchtenartigen Oberlauf vor mehr als 2000 Jahren die Shang Shung-Kultur exitierte, in deren Hauptstadt Khyunglung Ngülkhar der Österreicher Bruno Baumann das buddhistische Shangri-La vermutet.

Doch auch die Briten bauten ihre Macht aus. Durch die Übernahme der Ländereien „Oudh“ des „Nawab of Avadh“ im heutigen Uttar Pradesh durch die „British East India Company“ kamen sie in die Region von Gorakhpur südlich von Palpa, dem letzten noch unabhängigen Gebiet innerhalb des Gorkha-Regimes.
Briefe von Amar Singh Thapa an König Girbanyudha Bir Bikram Shah
1806 schickte Bhimsen Thapa Truppen unter dem Kommando seines Vaters Amar Singh Thapa (†1814) nach Palpa und konnte endlich diesen letzten unabhängigen Staat der „Chaubisi Rajya“ einnehmen. Der König von Palpa wurde verdächtigt, mit den Briten gemeinsame Sache zu machen, was zu seiner Verhaftung und schließlich Ermordung durch die Gurkhas führte. Amar Singh Thapa wurde Gouverneur von Palpa und übernahm zugleich Butwal in das Königreich Nepal. Während die Gurkhas schon zuvor ihr Reich von Sikkim im Osten bis Kumaon und Garhwal im Westen ausgedehnt hatten, kamen sie im Süden durch die Übernahme von Palpa in die Region von Gorakhpur nun ihrerseits in die Nähe der Briten.

Dies jedoch war nicht im Sinne der „British East India Company“, die sich bereits auf einen Krieg gegen das in ihren Augen übermächtig gewachsene Königreich Nepal vorbereitete. Denn schon lange gab die ungenau festgelegte Grenze zwischen Indien und Nepal Anlass zu Streitigkeiten. Nachdem Richard Wellesley, 1797 bis 1805 Generalgouverneur der „British East India Company“, die britische Herrschaft in Indien zu einem Empire ausdehnte, kündigte man unter Gilbert Elliot-Murray-Kynynmound, der 1806 zum Generalgouverneur von Britisch-Indien ernannt wurde, an, die umstrittenen Gebiete auch mit Gewalt zu besetzen. Als Francis Hastings 1813 das Amt des Generalgouverneurs übernahm, wurde diese Drohung schließlich wahr gemacht.

Im Königspalast in Kathmandu wurde die Situation besprochen. Amar Singh Thapa erklärte, die Briten würden versuchen, sich zur Stärkung ihrer Macht mit den gerade übernommenen kleineren Königreichen in den Bergen zu verbünden. Doch Bhimsen Thapa sah trotz der Überlegenheit der modernen britischen Waffen die Vorteile, im gebirgigen Gelände zu kämpfen, auf nepalesischer Seite: sowohl unsere Berge als auch die Schnelligkeit und Stärke unserer Kämpfer sind Gottes Geschenke und daher von den Briten nicht besiegbar.
Warren Hastings Colley-Wellesley Elliot-Murray Rawdon-Hastings
Der Britisch-Nepalische Krieg 1814-1816
Brief mit dem korrigierten Entwurf für den „Vertrag von Segauli“
Mit einer gewaltigen Zahl von indischen Truppen zusammen mit ihren eigenen Soldaten gelang es der „British East India Company“ im Britisch-Nepalischen Krieg 1814-1816 nach einem harten Kampf die Gorkhas aus den Tiefebenen Indiens zu vertreiben. 1816 musste Nepal schließlich dem „Friedensvertrag von Sagauli“ zustimmen und Sikkim im Osten sowie Teile des Terai im Süden und die Gebiete Kumaon, Garhwal und Sirmur im Westen an Indien abgeben. Die heute noch geltenden Landesgrenzen Nepals fanden in diesem Vertrag ihren Urprung. Die schlimmste Niederlage für die Nepalis lag jedoch darin, dass sie eine britischen Residenz in Kathmandu als Beobachter hinnehmen mussten.
Die Indische Gesandtschaft in Nepal
Trotz der Duldung einer britischen Residenz sind die Nepalis heute noch stolz darauf, dass sie niemals kolonisiert oder von Fremden regiert wurden, wenngleich die Briten Nepal gerne dem „Kaiserreich Indien“ eingegliedert hätten, was auf Abbildungen immer wieder auch geschah. Die Engländer aber waren von der Kampfeskraft und Tapferkeit der Ghorkha-Soldaten, der „Gurkhas“ so beeindruckt, dass sie den besiegten Feind zum Verbündeten machten und Gurkhas als Söldner fortan in ihren Legionen einsetzten. So gehörten die Gurkharegimenter bis in die jüngste Zeit hinein zu den britischen Elitetruppen. 1866 ging man dazu über, die Rekrutierung der Gurkhas zu organisieren. Dabei entstanden 10 stehende Gurkha Bataillone, die zum größten Teil in Indien stationiert wurden. Die meisten Gurkha Krieger stammten von den Stämmen der Magar und Gurung, es gab aber auch Sunuwars und Rais aus dem Osten Nepals und Leute aus Khasa im Westen. Für den jeweiligen Krieg wurden dann mehr oder weniger von diesen Gurkha Truppen abgezogen und in das Kriegsgebiet gebracht. Überall wo sie kämpften, bewiesen sie wiederholt, dass sie in jedem Terrain und Klima hervorragende Leistungen brachten. Im 1. Weltkrieg kämpften 55.000 Gurkhas, im 2. Weltkrieg 200.000 Gurkhas auf britischer Seite, und noch 1982 im Krieg um die Falkland-Inseln wurden sie für die Interessen der einstigen Weltmacht eingesetzt. Die Einnahmen aus dem Sold der Gurkha-Truppen waren in der Vergangenheit eine der wichtigsten nepalischen Devisenquellen. Die britischen Residenz wurde im Juni 1920 in eine Gesandtschaft („British Legation“), 1947 nach der indischen Unabhängigkeit in die Indische Botschaft („Indian Embassy“) umgewandelt.
Gurkha-Soldaten „Victoria-Kreuze“ für Gurkha-Soldaten Gurkha-Soldat
Ehrenmedaillen der britischen Armee für Nepalische Gurkha-Soldaten
Der brit. Resident Col. George Ramsay und König Surendra
Wohl hatte Prithvi Narayan Shah den Grundstein zum Königreich Nepal gelegt, doch bereits nach seinem Tode begann der allmähliche Niedergang der königlichen Macht zugunsten einiger Adelsfamilien, die den Shah-Königen bereits in Gorkha nahegestanden hatte, besonders der Familien Pande und Thapa. Schließlich bestimmten diese das eigentliche politische Geschehen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Geschwächt wurde die Macht des Königs allerdings nicht nur durch die Ambitionen dieser Adelsfamilien, sondern auch durch Intrigen und Machtkämpfe innerhalb der königlichen Familie selbst sowie durch den Umstand, dass wiederholt Minderjährige den Thron bestiegen und königliche Verwandte erbittert um die Macht in Form der Regentschaft stritten. Politische Morde waren beinahe an der Tagesordnung, das intrigenreiche Hofleben zu dieser Zeit war brutal. Von 1769-1846 starb kein Premierminister eines natürlichen Todes. Die damalige Politik wurde von einem britischen Beobachter wie folgt beschrieben: „Die Macht des Premierministers ist absolut - bis er erschossen wird.“
Silbermünze von König Rajendra Bir Bikram Shah
1 Paisa-Münze von König Surendra Bir Bikram Shah
Silbermünze von König Surendra Bir Bikram Shah